Les aventures de Pic et Briquet
Bergleute als Comic-Helden

Einleitung
โLe mineur nโest plus le hรฉrosโ schrieb ein Historiker รผber die Lage der franzรถsischen Bergleute im Jahr 1960.[i] Die Helden der โBataille de charbonโ, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit den Energiehunger des am Boden liegenden Landes gestillt und so den Wiederaufbau der Industrie und erneuten Wohlstand ermรถglicht hatten,[ii] sahen sich mit Entwicklungen konfrontiert, denen sie mit einer Steigerung ihrer Arbeitsanstrengungen nicht mehr beikommen konnten. Sinkende Weltmarktpreise fรผr Kohle, mangelnde internationale Wettbewerbsfรคhigkeit und die zunehmende Bedeutung von รl, Gas und spรคter Atomenergie fรผhrten zu einem Umdenken in der franzรถsischen Politik. Nachdem noch 1958 ein neuer nationaler Fรถrderrekord erzielt worden war, ging die Produktion in der Folge kontinuierlich zurรผck, unrentable Zechen wurden geschlossen, viele Bergleute in die Teilarbeit geschickt und keine neuen mehr rekrutiert.[iii]
In dieser Umbruchphase der franzรถsischen Kohleindustrie erschien in den Zechenzeitungen des Staatskonzerns โHouillรจres du bassin du Nord et du Pas-de-Calaisโ (HBNPC) ein Comic, der innerhalb seines Genres Seltenheitswert hat: โLes aventures de Pic et Briquetโ. Wรคhrend sich die Helden anderer Bildergeschichten รผblicherweise als Detektive, Polizisten, Cowboys, Krieger oder Journalisten durchs Leben schlugen, waren Pic und Briquet โmineurs de fondโ, Bergleute im Untertagebau, โ und erfreuten sich im nordfranzรถsischen Kohlerevier groรer Beliebtheit.[iv]

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Die aus drei Abenteuern bestehende Serie ist ein auรergewรถhnliches Zeugnis betrieblicher รffentlichkeitsarbeit und ein Stรผck franzรถsischer Bergbau-, und auch Comicgeschichte. Die Nutzung des Mediums in diesem Kontext zeugt von seiner zunehmenden Popularitรคt in der Dekade zwischen 1959 und 1969, die als erstes goldenes Zeitalter des franko-belgischen Comics bezeichnet worden ist.[v] 1998 und 2000 legte das Centre Historique Minier in Lewarde zwei der Abenteuer in Albenform neu auf und wรผrdigte so ihren Wert als zeitgeschichtliches Zeugnis.[vi]
In ihrem besonderen Entstehungs- und Publikationskontext und v.a. in ihrer Form als Bild-Text-Hybrid sind โLes aventures de Pic et Briquetโ eine vielschichtige Quelle. Die folgende Untersuchung versteht sich als ein Beitrag zur interdisziplinรคren Comicforschung, in der Bergbau und Arbeit in ersten Ansรคtzen bereits thematisiert wurden.[vii] Auch im musealen Bereich hat man sich des Themas Bergbau und Comic vereinzelt angenommen.[viii]
Neben der stilistischen Einordnung, einem Blick auf den Entstehungskontext und der Untersuchung der Handlungsverlรคufe werden hier drei Aspekte im Fokus stehen: die Darstellung der Welt untertage, die Figur des Bergmanns sowie die Frage nach den Bergleuten als sozialer Gemeinschaft. Aus dem Entstehungskontext des Comics ergibt sich zudem die weiterfรผhrende Frage, inwiefern er als Instrument der Unternehmenskommunikation der HBNPC eine Tendenz aufweist und als Ausdruck einer Unternehmenskultur und einer betrieblichen Ordnung verstanden werden kann. Visuelle Reprรคsentationen wurden in betrieblichen Publikationen und auch anderen Medien oft gezielt zur Tradierung und diskursiven Verfestigung von Normen und Ordnungsvorstellungen eingesetzt.[ix] Dort, wo es sich inhaltlich anbietet, wird der Befund mit zeitgenรถssischen Entwicklungen im franzรถsischen Bergbau in Beziehung gesetzt werden. Durch den Blick auf andere Bergbau-Comics erfolgt dabei zudem eine komparative Einordnung des Dargestellten. Die Untersuchung stรผtzt sich auf verschiedene Ausgaben des Titels, die im Folgenden vorgestellt werden.[x]
Produktion und Distribution
Die Idee zu Pic und Briquet stammte von Jean-Pierre Rousselot, der seit 1953 die Abteilung รffentlichkeitsarbeit der HBNPC leitete. In dieser Funktion war er auch fรผr die Herausgabe der Werkszeitungen der verschiedenen zum Konzern gehรถrigen Zechengruppen im nordfranzรถsischen Kohlenrevier zustรคndig. Als Zeichner stand ihm Jean Podevin zur Seite, der im Auftrag des Staatskonzerns schon Schilder und Broschรผren mit Hinweisen zur Arbeitssicherheit auf den Zechen entworfen hatte.[xi]
Unter den Pseudonymen Jean Rasurel und Jean Devin schuf das Duo insgesamt drei Abenteuer mit Pic und Briquet, die seitenweise publiziert wurden.[xii] Das Erste, โMystรจre dans la mineโ, erschien zwischen Mรคrz 1958 und September 1960. โPic et Briquet ร La Napouleโ kam zwischen Oktober 1960 und August 1964 heraus, ein drittes Abenteuer, โPic et Briquet agents secretsโ, zwischen Februar 1965 und Mai 1969.[xiii] Alle Geschichten hatten einen Umfang von 46 Seiten, was dem Standard franko-belgischer Comics entsprach.[xiv] Monatlich wurde zeitgleich eine Seite in den insgesamt neun Werkszeitungen der HBNPC verรถffentlicht.[xv] Kurze Zusammenfassungen zu Beginn jeder Seite riefen den Lesern das bisherige Geschehen in Erinnerung.

Im Januar 1969 wurden diese Werkszeitungen dann unter dem Titel RELAIS vereint. Ausstehende Teile der laufenden Geschichte โPic et Briquet agents secretsโ erschienen in diesem neuen Organ. Durch den Erfolg der Serie ermutigt entschied man sich, alle drei Abenteuer zwischen Oktober 1969 und Februar 1974 erneut zu verรถffentlichen. โMystรจre dans la mineโ wurde zu diesem Anlass von Jean Podevin neu gezeichnet. In RELAIS rรคumte man dem Comic nunmehr eine Doppelseite ein, also vier Comicseiten pro Ausgabe, sowie jeweils eine Doppelseite mit einem Titelblatt und einem Deckelblatt. So konnten die gesammelten Seiten von den Lesern zu Alben zusammengesetzt werden.
Die serielle Verรถffentlichung von Comics war im franko-belgischen Raum und auch anderswo bis Ende der 1960er Jahre die รผbliche Form der Publikation. Serielle Formate dienten oft als Testlauf fรผr Comics, die bei guter Resonanz dann auch als Alben verรถffentlicht wurden.[xvi] Eine Erstverรถffentlichung in Albenform, wie sie z.B. bei โTim und Struppiโ erfolgte,[xvii] war bis in die 1970er Jahre dagegen die Ausnahme.[xviii] Die Serien wurden in den Kinder- und Jugendbeilagen von Tageszeitungen oder in Comicmagazinen verรถffentlicht, die i.d.R. zwei Seiten einer Geschichte pro Woche herausbrachten.[xix] Mit der Idee, einen konzernintern produzierten Comic in Werkszeitungen zu publizieren und noch dazu ein branchenspezifisches Heldenduo zu schaffen, leisteten Rousselot und Podevin aber sicherlich Pionierarbeit. In Albenform wurden โPic et Briquetโ erst 1998 bzw. 2000 durch das Centre Historique Minier in Lewarde verรถffentlicht. Diese bisher auf die beiden ersten Abenteuer beschrรคnkte Neu-Herausgabe basiert auf der RELAIS-Fassung des Comics, die zu diesem Anlass allerdings vollstรคndig koloriert wurde.[xx]

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Die Werkszeitungen der HBNPC richteten sich inhaltlich sowohl an die Bergleute als auch an deren Familien und enthielten Beitrรคge zu Sport, Reisen, Gartenarbeit etc. Mit der Publikation des Comics als Fortsetzungsgeschichte zielten die Herausgeber darauf ab, die Leserbindung zu stรคrken.[xxi] Die Mรถglichkeit, die Einzelseiten zu sammeln und zu einem Album zusammenzusetzen, verstรคrkte diesen Effekt noch. Schon in der ersten Hรคlfte des 20. Jahrhunderts waren Comics fรผr Zeitungen ein beliebtes Mittel gewesen, Leser zu gewinnen und die Auflage zu steigern.[xxii]
Das spezifische Publikum von โPic et Briquetโ schlug sich auch inhaltlich in dem Comic wieder. So war der Zeichner Jean Podevin gerade beim Abenteuer โmystรจre dans la mineโ bemรผht, die Arbeitswelt untertage fรผr die versierte Leserschaft mรถglichst realistisch und detailgetreu wiederzugeben. Als Gemeinschaftslektรผre sorgte der Comic in den Familien sicher fรผr Gesprรคchsstoff, gewรคhrte er auf unterhaltsame Weise doch Einblick in die ansonsten unzugรคngliche Arbeitswelt der Vรคter.
Stil und Anleihen
Wenn dem affinen Leser beim Blick auf Pics prรคgnante Tollenfrisur und Briquets hageres Gesicht ein Gefรผhl der Vertrautheit beschleicht, so kommt dies nicht von ungefรคhr. Jean-Pierre Rousselot und Jean Poidevin waren mit den Abenteuern von Tim und Struppi aufgewachsen,[xxiii] die 1929 das erste Mal verรถffentlicht worden waren, und Pic und Briquet sind unรผbersehbar an Tim und dessen Freund Kapitรคn Haddock angelehnt.[xxiv]
Doch nicht nur รคuรerlich, sondern auch charakterlich weisen die beiden Helden starke Parallelen zu Hergรฉs Figuren auf. Wรคhrend der jรผngere Pic aufgeweckt, besonnen und strebsam ist und i.d.R. die Fรผhrung รผbernimmt, neigt der eher hitzkรถpfige und aufbrausende Briquet zu Schimpftiraden, muss vor รผberstรผrzten Schritten abgehalten werden und sorgt mit seinen Missgeschicken fรผr erheiternde Momente. Diese Rollenaufteilung spiegelt sich in gewisser Weise auch in den Namen โpicโ, Spitzhacke, und โbriquetโ, was soviel wie Pausenbrot oder im รผbertragenen Sinn auch die Brotzeit der Bergleute meint.
Die Figur Briquet, Abb. 1: Mystรจre dans la mine, Abb. 2 u. 3: Pic et Briquet ร La Napoule ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Einzelne Szenen erinnern dabei durchaus an Slapstick-Einlagen zwischen Tim und Kapitรคn Haddock. So geht Briquet in einem Zustand der Verwirrung einmal z.B. auf Pic los und kann erst durch einen Schlag auf den Kopf zur Rรคson gebracht werden, was sich รคhnlich auch in den Comics Hergรฉs wiederfindet.[xxv] Ansonsten ist die Beziehung zwischen Pic und Briquet weitgehend konfliktfrei, wird รผber das genannte Rollenschema hinaus allerdings auch nicht besonders ausdifferenziert. Als Figuren sind sie wenig komplex und bleiben auch im Laufe der Abenteuer eher statisch. Ihr basales Gefรผhlsspektrum beschrรคnkt sich auf Wut, รberraschung oder Heiterkeit.
Eine weitere Parallele zu โTim und Struppiโ findet sich in einer Figur, die in allen drei Geschichten von Pic und Briquet immer wieder in die Handlung stolpert. Bei diesem รคlteren professoralen Herrn, der durch verwirrtes Handeln und dysfunktionale Kommunikation auffรคllt,[xxvi] ist die รhnlichkeit zu Hergรฉs notorisch kurzsichtigen Professor Bienlein evident, etwa wenn er sich mit den Worten โExcusez-moi Madameโ bei einem Baum entschuldigt, mit dem er geistesabwesend zusammengestoรen ist.[xxvii]

Auch stilistisch stehen Rousselot und Podevin in der Tradition Hergรฉs und der ursprรผnglich von diesem entwickelten โligne claireโ,[xxviii] wobei die Strichfรผhrung Podevins skizzenhafter und weniger elaboriert erscheint, v.a. was die Kรถrper und Gesichter der Figuren angeht. Dies gilt insbesondere fรผr die Erstfassung von โMystรจre dans la mineโ. In der Neufassung fรผr die Zeitung RELAIS machte Podevin stilistisch dagegen einen deutlichen Sprung, wobei die Handlung, der Aufbau und die Struktur der einzelnen Panels weitgehend beibehalten wurden. Die Figuren gewinnen deutlich an Dynamik und Lebendigkeit, der Comic insgesamt an Lesbarkeit und Raffinesse. Hatte Podevin ursprรผnglich im Format 30 x 22 cm gezeichnet, so verwendete er fรผr die zweite Fassung von โMystรจre dans la mineโ das Format 50 x 60 cm, was ihm eine grรถรere Detailfรผlle erlaubte.[xxix] Eine รคhnliche stilistische Evolution ist bereits zwischen der Erstfassung von โMystรจre dans la mineโ und den beiden folgenden Geschichten sichtbar, die fรผr die Neuauflage in RELAIS nicht mehr verรคndert wurden.
Evolution des Zechenstils zwischen Ursprungs- und Neufassung, Mystรจre dans la mine ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Gemรคร den Charakteristika der ligne claire sind die Hintergrรผnde in โPic et Briquetโ akribisch ausgestaltet, wรคhrend die Figuren stรคrker vereinfacht sind und eher cartoonhaft wirken.[xxx] Dies wird insbesondere in der realistischen Darstellung von Fahrzeugen, Maschinen und technischen Details sichtbar. Bei den Figuren wird โ wenn auch nicht immer konsequent โ auf Schatteneffekte und Schraffuren verzichtet. Sogenannte Speedlines geben den Bildern eine gewisse Dynamik, kรถnnen einer gewissen Steifheit der Figuren allerdings nicht immer abhelfen.
โMystรจre dans la mineโ ist im Original schwarzweiร. Die beiden Folgeabenteuer weisen auf jeder Seite dagegen bereits sparsam eingestreute Details in einer bestimmten Farbe auf.[xxxi] Erst die Neuausgabe der ersten beiden Abenteuer von 1998 und 2000 ist dann komplett in Farbe.[xxxii] Die Farbakzente in den Erstfassungen von โPic et Briquet ร la Napouleโ und โPic et Briquet agents secretsโ dienen v.a. dazu, einzelne Figuren โ insbesondere die Protagonisten โ oder auch bestimmte Objekte hervorzuheben.

In seiner Seitenarchitektur ist โPic et Briquetโ weitestgehend konventionell mit durchgehend vier Bildzeilen pro Seite, wobei die Zahl und Grรถรe der Panels pro Zeile variiert. Vereinzelt wird diese Einheitlichkeit unterbrochen, um z.B. Panoramaansichten zu zeigen oder bestimmte rรคumliche Effekte zu erzielen. Ein Ausbrechen der Zeichnungen aus den Panelrahmen oder gar deren vollstรคndige Auflรถsung findet sich nicht. Die Sprechblasen sind wie bei Hergรฉ eckig, Kรคstchen mit Erlรคuterungen oder narrativen Textelementen fehlen weitgehend.
Handlung und Schauplรคtze
Von den drei Abenteuern ist โMystรจre dans la mineโ fรผr die hier verfolgte Fragestellung am ergiebigsten. Wie der Titel bereits vermuten lรคsst, ist nur dort die Welt des Bergbaus Schauplatz. Da die Analyse sich dennoch auf alle drei Geschichten beziehen wird, scheint es angezeigt, vorab ihre Handlungsverlรคufe zu skizzieren.
In โMystรจre dans la mineโ werden die beiden Protagonisten als Bergleute der Zeche โfosse 24โ eingefรผhrt, in der seit einiger Zeit Bergleute verschwinden. Pic und Briquet finden heraus, dass eine geheime Organisation ihre Kollegen entfรผhrt hat und in einem verborgenen Teil der Grube dazu zwingt, Kohle abzubauen. Aus ihr stellen die Ganoven eine Art Superkraftstoff her. Diese versuchen, die beiden Helden aus dem Weg zu rรคumen, indem sie Pic durch eine List von der Polizei verhaften lassen und Briquet ebenfalls entfรผhren. Pic kann sich befreien und zusammen mit den entfรผhrten Bergleuten gelingt es schlieรlich, die Bande zu รผberwรคltigen. Deren Anfรผhrer Lepoil flieht und die geheime Produktionsstรคtte wird durch eine von ihm aktivierte Zeitbombe zerstรถrt, der Pic und Briquet samt Kameraden gerade noch rechtzeitig entkommen kรถnnen. Ein Groรteil der Handlung spielt sich untertage in den Stollen der Zeche und in der geheimen Fabrik der Bande ab.
In โPic et Briquet ร la Napouleโ reisen die Protagonisten wiederum nach Napoule an der Cรดte dโAzur, um nach dem ersten Abenteuer einen wohlverdienten Urlaub anzutreten. Dieser Schauplatz wurde von den Autoren nicht zufรคllig gewรคhlt. Bei dem Feriendomizil der beiden Bergleute handelt es sich um das 1947 von den HBNPC erworbene Chรขteau d’Agecroft bei Mandelieu, das der damalige Generaldirektor in ein Ferienheim fรผr Bergleute umwandeln lieร und das auch als „Chรขteau des mineurs“ bezeichnet wurde.[xxxiii] Bei einem Besuch der Iles de Lerins vor der Kรผste kommen Pic und Briquet den Machenschaften einer Goldschmuggelbande auf die Spur, der sie schlieรlich das Handwerk legen. Unterwelten oder Bergbau spielen dabei keinerlei Rolle.
รhnliches gilt fรผr die dritte Geschichte, โPic et Briquet agents secretโ. Hier werden Beide von einem verletzten Agenten darum gebeten, geheimes Material der franzรถsischen Regierung vor auslรคndischen Spionen in Sicherheit zu bringen, woraus sich eine Verfolgungsjagd bis nach Paris entspinnt. Auch diese Aufgabe bringen die beiden Helden trotz aller Verwicklungen erfolgreich zu Ende, ohne dass dabei Orte des Bergbaus oder der berufliche Hintergrund der beiden relevant wรผrden.
Zeitlich knรผpfen die Handlungen der drei Comics unmittelbar aneinander an, wie rรคumliche Kontinuitรคten oder explizite Verweise auf die vorherige bzw. folgende Geschichte zeigen.[xxxiv] Frisuren, Mode oder auch Automodelle deuten darauf hin, dass sie in dem aus Sicht der Autoren zeitgenรถssischen Frankreich der 1950er und 1960er Jahre spielen. In einem Panel taucht zudem eine Zeitungsschlagzeile auf, der man bei genauem Hinsehen das Erscheinungsdatum 30.11.1957 entnehmen kann. Eine historische Perspektive wird anders als in vielen anderen Bergbaucomics folglich nicht eingenommen.[xxxv]

Insgesamt sind die Handlungsverlรคufe der drei Geschichten etwas holprig. So bleiben die Beziehungen zwischen den Charakteren skizzenhaft und auch ihre Motivationen und Handlungsentscheidungen sind nicht immer schlรผssig. Der Leser wird weniger visuell als mit Hilfe des Dialogs durch die Handlung geleitet. Es ist zu vermuten, dass sich die ursprรผngliche serielle Verรถffentlichung des Comics und die Notwendigkeit, dass die Einzel- bzw. Doppelseiten ein Stรผck weit autonom funktionieren mussten, auf den Erzรคhlfluss auswirkten.
Rรคumlich ist das Geschehen mal mehr, mal weniger konkret verortet. In โPic et Briquet ร la Napouleโ werden reale Orte, Gebรคude und Plรคtze an der Cรดte dโAzur gezeigt. โPic et Briquet agents secretsโ fรผhrt die Helden wiederum von einer generischen sรผdfranzรถsischen Landschaft รผber Gegenden alpiner Anmutung bis nach Paris, das klar benannt wird, aber auch an Wahrzeichen wie den Gare de Lyon, Sacre Coeur, einen an Pรจre Lachaise erinnernden Friedhof oder auch die Namen von Metro-Stationen erkennbar ist.[xxxvi]
Eher vage bleibt der rรคumliche Kontext dagegen in โMystรจre dans la mineโ. Reale Ortsnamen begegnen hier nicht,[xxxvii] auch wenn die wenigen Landschaftsdarstellungen an Nordwestfrankreich erinnern. In einem Panel ist im Hintergrund eine klassische Zechenlandschaft mit einer Halde samt Fรถrdergerรผst zu sehen,[xxxviii] und auf einer schematischen Darstellung der Zeche „fosse 24 „weist die agrarisch geprรคgte Umgebung ebenfalls zahlreiche Halden auf.[xxxix] Die Zechennamen entsprechen ebenfalls keinen existenten Zechen und auch die HBNPC als staatlicher Trรคgerkonzern werden an keiner Stelle erwรคhnt.[xl]

Durch den Verzicht auf konkrete Ortsnamen wurde vermieden, dass bestimmte Stรคdte oder Zechen zu sehr im Mittelpunkt standen, was eine Identifikation der Leser mit den Helden unabhรคngig vom Arbeitsort erleichterte. Der Aspekt der regionalen Identifikation mit den Helden wird im รbrigen auch im Comic selbst aufgeworfen. Am der Geschichte wird ein voll besetztes Kino gezeigt, in dem ein TV-Interview mit Pic und Briquet รผbertragen wird. Zwei der Zuschauer kommentieren das Leinwandgeschehen wohlwollend: โCโest quand mรชme des types formidables!โ – โEt bien de chez nous, ceux-lร !โ[xli]

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An dieser Stelle fรผhren Podevin und Rousselot eine Art Leitmotiv ein, das sich durch alle drei Geschichten zieht. รhnlich wie in den Asterix-Geschichten Uderzos und Goscinnys, die fast ausnahmslos im kollektiven Festmahl der Dorfgemeinschaft mรผnden, enden die Abenteuer Pics und Briquets stets damit, dass die Helden von ihrer Umgebung รผberschwรคnglich fรผr ihre Taten gefeiert werden. Dieser ritualisierte Akt der Anerkennung spielt sich zwar meist im Kreis ihrer Bergmannskollegen ab,[xlii] zahlreiche Szenen machen aber deutlich, dass ihr Renommee weit รผber ihre Zeche und auch ihre Region hinausgeht.
Auffรคllig ist dabei die Rolle der Medien in den Geschichten. Wรคhrend โMystรจre dans la mineโ in besagter Szene mit einem TV-Interview der Helden schlieรt, ist es in โPic et Briquet ร la Napouleโ ein Radioteam, das live von der obligatorischen Siegesfeier sendet.[xliii] Ihre Urlaubsreise an die Cรดte dโAzur wird von einer Zeitung vor Ort vermeldet und die Ankunft im Sรผden von Reportern begleitet, was Briquet zu dem scherzhaften Kommentar โon finira par se prendre pour Brigitte Bardotโ veranlasst.[xliv] Die in ihren Taten begrรผndete Bekanntheit der beiden Kumpel wird ihnen auch in alltรคglichen Situationen gespiegelt, etwa wenn Kinder im Zug ihre Helden um jeden Preis treffen wollen[xlv] oder ein Barkeeper an der Cรดte dโAzur Briquet um seine Abenteuer beneidet. Die letzte Szene von โPic et Briquet agents secretsโ zeigt beide auf einer Straรe in Paris, wo sie von den Umstehenden und Passanten jeden Alters erkannt und beรคugt werden.[xlvi] Ihr Promi-Status scheint den beiden Helden dabei kein Unbehagen zu bereiten.
Prominenz der beiden Helden, Abb. 1 u. 2: Pic et Briquet ร La Napoule, Abb. 3: Pic et Briquet agents secrets, ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Die Autoren nutzen dieses Element auch, um die verschiedenen Geschichten miteinander zu verknรผpfen. So ist es nicht zuletzt der in โMystรจre dans la mineโ gewonnene Heldenstatus, der zu den folgenden Abenteuern fรผhrt. In โPic et Briquet ร la Napouleโ sieht sich einer ihrer angehenden Widersacher allein schon durch ihre Ankunft in der Stadt dazu veranlasst, sie in einem Drohbrief davor zu warnen, sich in fremde Angelegenheiten zu mischen. Der folgende Versuch, Pic und Briquet aus dem Weg zu rรคumen, fรผhrt diese dann erst auf die Spur der Goldschmuggler.[xlvii] In โPic et Briquet agents secretsโ vertraut der bedrรคngte franzรถsische Spion seine Mission bewusst den beiden Bergleuten an, da โ so der Mann โ ihr Mut legendรคr sei.[xlviii]
Prominenz und รถffentliche Anerkennung erscheinen als Lohn ihrer Leistungen. Die von den Autoren von Geschichte zu Geschichte sorgsam gepflegte Suggestion eines landesweiten Renommees der beiden Helden kann als Hommage an die realweltlichen Bergleute und ihre Leistung in einer Gegenwart gelesen werden, in der ihre gesellschaftliche Bedeutung abzunehmen begann. Andererseits kann sie auch insofern als eine augenzwinkernde รberhรถhung des Erfolgs des Comics durch seine Autoren interpretiert werden, als die gedankliche Grenze zwischen der nationsweiten Fan-Gemeinde von Pic und Briquet im Comic und der realen, auf den Nordwesten beschrรคnkten รffentlichkeit der Comic-Leserschaft verschwimmt.
Arbeitswelt oder geheimnisvolle Unterwelt?
Ein Groรteil der Handlung von โMystรจre dans la mineโ spielt sich untertage in den Strecken der Zeche und der geheimen Fabrik der Lepoil-Bande ab. Wenn sich Pic und Briquet als Bergleute von den meisten anderen Comichelden abheben, so sind Minen und unterirdische Welten als Schauplรคtze weit weniger einzigartig. Wie die Historikerin Sylvia Kesper-Biermann festgestellt hat, verschlรคgt es auch herkรถmmliche Comic-Helden bei ihren Abenteuern immer wieder in geheimnisvolle Unterwelten.[xlix] Diese Orte erfรผllen unterschiedliche Funktionen. Sylvia Kesper-Biermann hat auf Basis dieses Kriteriums zwei Gruppen von Comics identifiziert.
Zum einen diene die Unterwelt als unspezifische Kulisse fรผr Abenteuer- oder Fantasy-Geschichten, zum anderen werde sie als ein historisch und geographisch prรคzise bestimmter Raum gefasst, der durch den Menschen und seine Arbeit geprรคgt sei.[l] In ihrer Funktion als Kulisse, so Kesper-Biermann, seien Stollen und Bergwerke zeitlose, prinzipiell austauschbare Orte, deren Gestaltung populรคre Assoziationen mit dem Thema Bergbau evozierten. Spezifischen Arbeitsbedingungen oder der Bergbautechnik einer bestimmten Epoche werde dabei wenig Aufmerksamkeit geschenkt.[li] Aus narrativer Sicht liege die Attraktivitรคt der dunklen, geheimnisvollen und bedrohlichen Rรคume in diesen Publikationen v.a. darin, dass sich die Helden hier besonders eindrucksvoll bewรคhren kรถnnten.[lii] In Comics, die sich mehr fรผr den Bergbau als historisches Phรคnomen interessieren, wรผrden wiederum stรคrker die Gestaltung der Unterwelt durch die schwere kรถrperliche Arbeit der Menschen, die Arbeitsbedingungen und die einhergehenden Gefahren und Belastungen sowie Eigentumsverhรคltnisse und daraus resultierende Interessenkonflikte thematisiert.[liii]
Im metaphorischen Sinn, so Sylvia Kesper-Biermann, fungiere die Unterwelt in den Comics v.a. als eine kriminelle, Recht und Ordnung in Frage stellende Gegenwelt oder als Lebens- und Handlungsraum mythischer (Hรถllen-)Gestalten.[liv]
In ihrer Untersuchung erwรคhnt die Historikerin auch โPic et Briquetโ, ordnet den Comic aber nicht explizit einer der Kategorien zu, sondern unterstreicht lediglich seinen dokumentarischen Charakter und die realistische und detailgetreue Abbildung der Untertagewelt.[lv] Fรผr Diana Cooper-Richet vom Centre Minier in Lewarde hat dieser Raum in โMystรจre dans la mineโ wiederum eindeutig den Charakter einer mysteriรถsen und unbekannten Gegenwelt.[lvi]
Zeichnen Rousselot und Podevin also ein realistisches Bild der Arbeitswelt im franzรถsischen Bergbau oder nutzen sie diese eher als eine Projektionsflรคche fรผr populรคre Vorstellungen vom Bergbau und als geheimnisvolle Kulisse? Die von Sylvia Kesper-Biermann hervorgehobene Detailgenauigkeit seiner Zeichnungen begrรผndete Jean Podevin in einem Interview damit, dass der Comic sich an Bergleute richte, die mit der Arbeitswelt untertage bestens vertraut seien, und er sich hierbei somit keine Pfuscherei erlauben kรถnne.[lvii] Fรผr den Comic begab er sich wiederholt untertage, um Skizzen anzufertigen.[lviii] Ein von ihm angefertigtes dreidimensionales Modell der Zeche und der unterirdischen Fabrik sollte sicherstellen, dass die zeitlichen und rรคumlichen Ablรคufe der Handlung mรถglichst realistisch wiedergegeben wรผrden.[lix] Ein ganzseitiges Panoramabild im Comic zeigt die รber- und Untertageanlagen und die geheime Fabrik im Aufriss.[lx] Neben Gebรคuden, Fรถrdergerรผst, Strecken und Streben sind hier auch in vereinfachter Form der Verlauf der Flรถze und die Systematik des Kohleabbaus dargestellt. Die Legende enthรคlt einzelne bergmรคnnische Fachbegriffe wie โtailleโ (dt. Abbaufront) oder โLampisterieโ (dt. Lampenstube).[lxi] Trotz der รhnlichkeit zu schematischen Abbildungen in Erdkundebรผchern dient dieses Bild aber weniger didaktischen Zwecken als der rรคumlichen Orientierung des Lesers, der so die von Pic und Briquet im Laufe der Geschichte zurรผckgelegten Wege nachvollziehen kann.

รbersicht: fosse 24 und die geheime Fabrik, Mystรจre dans la mine ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Im Laufe der Handlung bewegen sich die Helden durch Strecken im Bogenausbau, fahren mit dem Fรถrderkorb und erklimmen Treppen und Leitern. Stempel, Leitungen, eine Grubenlok, Loren, elektronische Anlagen und Fรถrderbรคnder, bei deren Darstellung Jean Podevin sich an den zeitgenรถssischen Zustรคnden auf den Zechen der HBNPC orientiert haben dรผrfte, werden mit groรer Prรคzision wiedergegeben.
Bergbautechnik, Mystรจre dans la mine ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Wie und mit welchen Hilfsmitteln diese unterirdische Welt geschaffen wurde, zeigt Podevin dagegen nicht. Die schwere Arbeit des Bergmanns, die in kรผnstlerischen oder auch filmischen Darstellungen des Bergbaus als schรถpferischer Akt oft im Fokus steht,[lxii] wird in โMystรจre dans la mineโ praktisch nicht thematisiert.
Das Herauslรถsen von Kohlen im Streb ist nur in einer einzelnen Szene zu sehen, in der einer der entfรผhrten Bergleute unter Aufsicht der Gaunerbande mit einem Bohrhammer hantiert. In einem anderen Panel ist der Fรผhrer einer Grubenlok abgebildet. Hierin erschรถpft sich die Darstellung des Abbau- oder Grubenbetriebs aber auch schon. Die Fรถrderung der Kohle oder schweres Abbaugerรคt werden nicht gezeigt.

Ebensowenig lรคsst sich ein Arbeitszeitregime fassen, an das die Bergleute gebunden wรคren. Nur zu Beginn findet sich eine Szene, in der Pic und Briquet im Gesprรคch mit einem Kollegen offenbar gerade ihre Schicht beenden.[lxiii] Ansonsten scheinen sich die beiden Helden frei von beruflichen Verpflichtungen durch die zumeist menschenleere Mine zu bewegen. Auch in den Dialogen wird nicht auf den Beruf des Bergmanns oder die Arbeit Bezug genommen.
Insgesamt wirkt die Untertagewelt in โMystรจre dans la mineโ sehr รผbersichtlich, technisiert, sauber und modern. Ob dies immer der Situation vor Ort entsprach oder Podevin hier ein Stรผck weit ein beschรถnigendes Bild zeichnet, mรผsste ein Vergleich mit historischem Fotomaterial zeigen. Zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und den frรผhen 1960er Jahren hatten die nordfranzรถsischen Zechenanlagen aber einen Prozess der Modernisierung durchlaufen, der zu einer verstรคrkten Mechanisierung der Fรถrderung, einer technischen Spezialisierung der Bergleute und v.a. auch einer Verbesserung der Arbeitssicherheit gefรผhrt hatte.
Letztgenannter Aspekt wird in โMystรจre dans la mineโ anders als die Arbeit selbst immer wieder thematisiert, worin sich zweifellos Podevins Tรคtigkeit als Gestalter graphischer Sicherheitshinweise fรผr die HBNPC spiegelt.[lxiv] Solche Warn- oder Hinweisschilder, etwa vor elektrischer Spannung, finden sich in verschiedenen Szenen, auch wenn die Helden sich z.T. รผber sie hinwegsetzen.[lxv] รberhaupt sehen sich Pic und Briquet im Laufe ihres Abenteuers regelmรครig mit den Gefahren ihres unterirdischen Arbeitsplatz konfrontiert. Insbesondere Briquet zeigt durch sein ungeschicktes Verhalten das Risiko von Arbeitsunfรคllen auf. Er stรถรt sich den Kopf, kommt zu Fall oder muss von Pic vor einer nahenden Grubenbahn gerettet werden.[lxvi] Ihr Antagonist, Bandenfรผhrer Lepoil, lรคuft aufgrund unzureichender Beleuchtung mit seinen unbehelmten Kopf gegen einen Querbalken und verliert das Bewusstsein, was ihm womรถglich zum Verhรคngnis wird.[lxvii] Die Bedeutung des Sicherheitshelms wird auch demonstriert, als infolge der Explosion der Bombe Teile der Stollendecke auf Briquet fallen und seine Kopfbedeckung ihn schรผtzt.[lxviii] Derartige Unfรคlle werden aber v.a. zur Lenkung der Handlung, als Rahmen fรผr slapstick-Einlagen und als running gags eingesetzt und dรผrften allenfalls beilรคufig einen didaktischen Zweck verfolgt haben.
Sicherheit unter Tage, Mystรจre dans la mine ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Gefahren wie Gas- oder Kohlenstaubexplosionen, die in Frankreich gerade Ende der 1950er und in den 1960er Jahren immer wieder vorkamen,[lxix] werden dagegen nicht thematisiert. Solche Explosionen gehรถren in der Populรคrkultur durchaus zu der mit dem Bergbau verknรผpften Vorstellungen. Gerade in Bergbau-Spielfilmen waren sie ein unverzichtbarer Bestandteil des Plots und auch Autoren von Bergbau-Comics nahmen auf diese Art von Ereignis Bezug.[lxx]
In โMystรจre dans la mineโ wird die Explosion dagegen kรผnstlich mit einem Sprengsatz herbeigefรผhrt. Sie hat aufgrund der schnellen Flucht und des guten Orientierungssinns Pics, der seine Kameraden zu einem sicheren Teil der Mine fรผhrt, keine Folgen.[lxxi] Das regelmรครige Einblenden der tickenden Zeitbombe zeigt, dass sie โ wie aus Actionfilmen bekannt โ eher als ein konventionelles Mittel zur Steigerung der Spannung dient. Dennoch zeigt sich hier die bedrohliche Seite der Unterwelt, die fรผr die Helden zu einer Bewรคhrungsprobe wird.
Die Uhr tickt, Mystรจre dans la mine ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Kommt man auf die von Sylvia Kesper-Biermann beschriebenen Funktionen der Untertagewelt im Comic zurรผck, so lรคsst sich sagen, dass diese in โMystรจre dans la mineโ zeitlich und geographisch spezifisch in der Gegenwart und im Umfeld der Autoren verortetet ist. Diese Welt ist ein von Menschen gestalteter und kontrollierter Raum. Irrationale รngste vor der Tiefe oder dem verborgenen Unbekannten, wie sie in vielen Bergbau-Comics zu finden sind, spielen als Element dagegen keine Rolle. In seiner Gestaltung wendet sich โMystรจre dans la mineโ bewusst an ein Publikum, fรผr das die Arbeitswelt des Bergmanns gerade keine fremde, geheimnisvolle oder sogar unheimliche Gegenwelt, sondern Teil ihres Alltags war.[lxxii]
Aber auch wenn diese Unterwelt nicht den รผblichen populรคren Vorstellungen von zeitlosen Orten mit Holzstempeln und Spitzhacken entspricht und eher dokumentarischen Charakter hat, so ist sie dennoch ein Stรผck weit Kulisse.
Die Arbeitsbedingungen, die Bergbautechnik und ihr Einsatz oder die Gestaltung der Unterwelt durch menschliche Tรคtigkeit werden nicht oder kaum thematisiert und die Protagonisten nie als Teil eines Arbeitsprozesses gezeigt.
Gefahren des Arbeitsplatzes werden eher verharmlost. Echte Bedrohungen gehen vom Menschen aus und nicht von der Umgebung oder der Bergarbeit selbst. Die Flucht der Protagonisten und ihrer Begleiter vor Lepoils Bombe, die der Leser รผber mehrere Seiten durch die Stollen und Schรคchte begleitet, macht allerdings implizit deutlich, dass sich die Explosion auf die Sicherheit der Mine insgesamt auswirken wird. In diesem Szenario steckt somit eine gewisse Realitรคtsnรคhe.[lxxiii]
Aber auch wenn die Unterwelt meist als geordnete und realistische Arbeitswelt erscheint, in der sich die Protagonisten sicher bewegen, so fehlt der im Titel angekรผndigte mysteriรถse Charakter doch nicht vรถllig. Das Geheimnis der Mine kann in der Existenz der von Lepoil und seinen Handlangern betriebenen unterirdischen Fabrik und womรถglich auch in dem eingangs noch ungeklรคrten Verschwinden der Bergleute, die als qualifizierte Zwangsarbeiter festgehalten werden, gesehen werden.
In ihrer ungewรถhnlichen Form einer metallummantelten Kugel unter der Erde hebt sich die geheime Fabrik vom Rest der Mine ab, zu der sie โ sowohl in Bezug auf die Ausbeutung der Kohlevorkommen als auch auf die Arbeitskrรคfte โ in einem parasitรคren Verhรคltnis steht. Mit Kohlenbunker, Produktionsanlagen, einem Bรผro und Unterkรผnften fรผr die entfรผhrten Bergleute bildet sie eine autarke, menschengemachte Parallelwelt.

Als solche stellt sie, um Kesper-Biermanns Charakterisierung aufzugreifen, ein Stรผck weit auch eine kriminelle, die bestehende Ordnung in Frage stellende Gegenwelt dar. So steht das Verschwinden der Bergleute in Konflikt mit der Realitรคt des kontrollierten, auf die Sicherheit der Arbeiter ausgerichteten Raumes der Zeche. Das Element der Zeitbombe, die diesen geordneten Raum existenziell bedroht und schlieรlich zumindest in Teilen zerstรถrt, macht das Spannungsverhรคltnis zwischen beiden Welten noch deutlicher.
Das Mysterium verliert im Zuge der Nachforschungen Pics und Briquets allerdings schnell seinen geheimnisvollen Charakter. So stellen sich die Gauner schon frรผh als Arbeitskollegen der beiden Protagonisten heraus. Die Entdeckung des oben bereits genannten รbersichtsplans der Mine und der geheimen Fabrik durch Pic und Briquet, der dem Leser die Anlage und ihre Wege in einem ganzseitigen Panorama offenbart und diese sowohl in ihren Funktionen erklรคrt als auch klar verortet, entreiรt sie endgรผltig der Sphรคre des Geheimnisvollen.
Die Figur Lepoils, der sich als Mitglied einer mรคchtigen geheimen Organisation identifiziert, sein aus der geraubten Kohle gewonnener Superkraftstoff und die versteckte Fabrik lassen zunรคchst an filmische Vorbilder wie die Superschurken der James Bond-Filme und deren exzentrischen Bollwerke denken. Podevin und Rousselot geben der Anlage allerdings einen historischen Kontext. So erlรคutert Lepoil den Helden, dass es sich um eine ehemalige deutsche Produktionsstรคtte fรผr V2-Raketen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs handele.[lxxiv] Offenbar spielen die Autoren hier auf die von den Nazis in Minen, Tunneln oder Salzstรถcke verlegte Waffenproduktion in Deutschland und anderen Lรคndern an. Diese Erklรคrung der Existenz der Anlage gibt ihr gewissermaรen historische Plausibilitรคt.
Mรถglicherweise wollten die Autoren damit nicht nur an den Mythos der geheimen Waffenprogramme der Nazis anknรผpfen. Die Erinnerung an die deutsche Besatzung dรผrfte in Nordwestfrankreich wie auch im Rest des Landes in den 1960er Jahren noch lebendig gewesen sein. Diese war mit der systematischen Ausbeutung der Kohlevorkommen durch die Deutschen unter massivem Einsatz insbesondere osteuropรคischer Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter einhergegangen. 18.000 franzรถsische Bergleute waren als Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter in den Zechen des Ruhrgebiets eingesetzt worden.[lxxv] Erst im August 1944 wurde das nordfranzรถsische Kohlerevier nach einem Generalstreik der Arbeiter von der deutschen Besatzung befreit.[lxxvi]
Dass die entfรผhrten Bergleute von Lepoil und seinen Leuten im Comic ebenfalls zu einer Art Zwangsarbeit herangezogen werden, ist nur eine auffรคllige Parallele. Auch in der fiktiven Geschichte befreien sich die Bergleute von โfosse 24โ aus eigener Kraft. Einige ihrer Kontrahenten tragen zudem deutsche Vornamen wie Otto und Siegfried, obwohl sie offenbar Franzosen sind.[lxxvii] Die roten Uniformen der Wachleute der entfรผhrten Bergleute erinnern mit ihren Abzeichen, der Hose und den hohen schwarzen Schaftstiefeln stark an Nazi-Uniformen.[lxxviii] Unรผbersehbar nutzten Podevin und Rousselot hier bewusst Versatzstรผcke vertrauter Feindbilder, um die Widersacher der beiden Helden zu charakterisieren.
Die Wachleute, Mystรจre dans la mine (Ursprungs- und Neufassung) ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Eine Parallele zu den in der geheimen Fabrik produzierten Wunderwaffen der Nazis ist evtl. auch der von Siegfried Lepoil erfundene Superenergietrรคger. Interessant ist hier v.a. der Stellenwert, der der Kohle als Rohstoff dabei zugeschrieben wird. Die Kohle von โfosse 24โ, so Lepoil, eigne sich besonders fรผr ein von ihm entwickeltes chemisches Verfahren, bei dem die Energie von 20 Tonnen des Rohstoffs mit Hilfe des Mittels โEpsilon 99โ auf einem Trรคger von der Grรถรe einer Pille konzentriert werde. Dieses Endprodukt sei sogar stรคrker als Uran. Lepoil verrรคt Pic und Briquet seine Absicht, den Energietrรคger an ein fremdes Land zu verkaufen, womit auf seine mรถgliche strategische Bedeutung angespielt wird und der Gedanke des Verrats mitschwingt.[lxxix]

ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-13335
In einer Zeit, in der die Atomkraft zunehmend zu einer Konkurrenz fรผr die Kohlekraft wurde, postulieren Podevin und Rousselot hier fiktiv eine รberlegenheit der Kohle, deren Potenzial als Energietrรคger mit innovativen Methoden erschlossen werden kann. Angesichts des seit Anfang der 1950er Jahre absehbaren Niedergangs des franzรถsischen Kohlebergbaus, der zunehmenden Bedeutung alternativer Energietrรคger und der ab 1960 rรผcklรคufigen Beschรคftigtenzahlen im Bergbau, wurde diese Aufwertung der Kohle von der davon betroffenen Leserschaft sicher goutiert.[lxxx]
Der Bergmann โ Eigenschaften
Wenn die Untertagewelt in โMystรจre dans la mineโ weniger als ein aktiver Ort der Arbeit erscheint und eher als Kulisse dient, wie werden dann die Bergleute und insbesondere auch die beiden Bergmannshelden dargestellt?
Pic und Briquet treten in erster Linie in ihrer Auseinandersetzung mit ihren Gegenspielern um Lepoil in Aktion. Aber auch wenn Arbeitsszenen fehlen, sind die Bergleute klar durch ihre Arbeitskleidung, Helm und Kopflampe bzw. Mรผtze identifizierbar.[lxxxi] Pic hebt sich von Briquet und den anderen dadurch ab, dass er dazu stets ein Halstuch trรคgt, das in der spรคteren kolorierten Fassung des Comics rot ist. Ein solches rotes Halstuch war zusammen mit blauer Arbeitskleidung und Helm Bestandteil des โjupon de fosseโ oder Grubenrock, also der Arbeitskleidung der franzรถsischen Bergleute.[lxxxii] Auch in zivil sind die Bergleute an Schiebermรผtze und grauer oder blauer Jacke erkennbar,[lxxxiii] wobei diese Art Kleidung auch mit der Arbeiterschaft insgesamt in Verbindung gebracht werden kรถnnte.
Diana Cooper-Richet ist der Ansicht, dass โMystรจre dans la mineโ alt wie jung eine bestimmte Vorstellung der Eigenschaften und des Charakters des Bergmanns vermitteln mรถchte.[lxxxiv] In Anbetracht der Ausrichtung auf den Kreis der Bergarbeiter dรผrften die Autoren eine positive Identifikation ihrer Leser mit den Helden im Sinn gehabt haben. Pic und Briquet zeichnen sich durch Mut, Schlรคue, Rechtschaffenheit, Initiative und ein gewisses Draufgรคngertum aus,[lxxxv] was sie allerdings nicht unbedingt von mรคnnlichen Comic-Helden aus anderen Kontexten abhebt. Spezifische bergmรคnnische Tugenden, die mit einer Eignung fรผr den Beruf in Verbindung gebracht wรผrden, scheinen nicht relevant.
Was den Kรถrperbau angeht, wirken die Bergleute mit Ausnahme von Pic allgemein zwar krรคftig, fallen allerdings nicht durch einen besonders beeindruckenden Kรถrperbau auf. Von einer klischeehaften Darstellung kann hier sicher nicht die Rede sein. Im Fall der z.T. etwas stiernackiger wirkenden Ganoven wird dagegen eher auf stereotype Darstellungen von Gangstern oder Raufbolden zurรผckgegriffen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass kรถrperliche Stรคrke bei den Bergleuten keine Rolle spielt. Sie รคuรert sich allerdings nicht als Arbeitskraft, sondern in der physischen Auseinandersetzung mit ihren Gegnern.

ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Was das Gewaltniveau angeht hebt sich โPic et Briquetโ nicht stark von anderen franko-belgischen Comics der Zeit ab. Stellenweise erscheint ihr Einsatz allerdings befremdlich. So werden z.T. auch Unbeteiligte massiv traktiert. Die eingangs erwรคhnte harmlose Bienlein-Figur in โPic et Briquet ร la Napouleโ handelt sich aufgrund ihrer sperrigen Umgangsformen den Faustschlag eines Polizeipiloten ein, ohne dass dies weiter kommentiert oder gar sanktioniert wรผrde.[lxxxvi] In einer Weiteren ist es der Patient in einer psychiatrischen Anstalt, der bei einem Anfall von einem der Gauner, der ihn zur Ruhe bringen will, bewusstlos geschlagen wird.[lxxxvii] Der als Krankenschwester verkleidete Pic verfรคhrt mit einem weiteren Unbeteiligten ebenso, um seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen.[lxxxviii] Auch von Schusswaffen wird Gebrauch gemacht, wobei allerdings niemand verletzt wird. In einer Szene sollen Pic und Briquet auf Geheiร Lepoils mit einer Pistole exekutiert werden, was erst im letzten Moment verhindert wird.
Berufsspezifische Tugenden lassen sich dagegen allenfalls indirekt ableiten. So kรถnnen Pics guter Orientierungssinn untertage und seine Ortskenntnisse evtl. als spezifisch bergmรคnnische Eigenschaft gesehen werden.[lxxxix] Er erkennt Orte wieder, an denen er gewesen ist, verfรผgt รผber strukturelle Kenntnisse der Lage von Schรคchten, Leitern und Treppen und hat ein Gespรผr fรผr Gefahren.[xc] Bei der Flucht vor der Bombe scheint er eine fรผhrende Rolle in der Gruppe der Bergleute einzunehmen.[xci] In einer Szene verwendet er mit โbureโ, also Blindschacht, einen bergbaulichen Fachbegriff, was mรถglicherweise auf seine berufliche Fachkunde verweisen soll. Eine Abgrenzung der Bergleute als Sprachgemeinschaft mit bestimmten Umgangsformen, Gruรformeln oder einem spezifischen Jargon wird allgemein allerdings nicht sichtbar.
Anders als Pic fรผhrt sich Briquet in seinem Arbeitsumfeld wiederum eher ungeschickt auf. Er gerรคt bestรคndig in Gefahr oder verletzt sich sogar und entspricht damit nicht gerade dem Bild eines kompetenten Bergmanns.
Das schon erwรคhnte fast vollstรคndige Fehlen des Aspekts der Arbeit in dem Comic heiรt, dass typische, gerade in kรผnstlerischen Darstellungen von Bergleuten und Bergbau vielfach begegnende Elemente nicht vorkommen. Die Betonung der Schwere der bergmรคnnischen Arbeit, des Fleiรes und der Leistungsfรคhigkeit der Bergleute oder gar die รberhรถhung ihrer Arbeit zu einem heroischen Kampf mit unberechenbaren Naturgewalten lassen sich nicht einmal in Ansรคtzen finden.[xcii] Dabei war dieses Bild des Bergmanns durchaus Teil des bergmรคnnischen Selbstverstรคndnisses und Berufsethos, an das z.B. auch im Kontext der historischen โbataille de charbonโ bewusst diskursiv angeknรผpft wurde.
Ein Aspekt, der keinen Bezug zum Bergbau aufweist aber fรผr die Charakterisierung der beiden Helden als Mรคnner relevant ist, betrifft ihr Verhalten gegenรผber Frauen. Hierzu sei vorab erwรคhnt, dass Frauen in den Abenteuern fast keine Rolle spielen. Sie treten allenfalls als Nebencharaktere auf, und Pic und Briquet zeigen sich im Umgang mit ihnen nicht gerade als Gentlemen.[xciii] Eine verwirrte รคltere Frau, die Briquet mit ihrem verschwundenen Ehemann verwechselt, wird von ihm wenig mitfรผhlend behandelt. Gegenรผber Pic bezeichnet er sie sogar als โcinglรฉeโ, รbergeschnappte oder Spinnerin.[xciv] Nicht gerade galant agieren die beiden Helden in โPic et Briquet agents secretsโ auch gegenรผber einer unbekleideten Frau, in deren Badezimmer sie bei einer Verfolgungsjagd eindringen. Als die Frau vor Schreck hohe Schreie ausstรถรt und sich mit dem Duschvorhang bedeckt, droht der genervte Briquet, ihr einen Korken zu verpassen, wenn sie weiterschreie,[xcv] wobei er sie paternalisierend als โpetite dameโ adressiert. Von der Frau in der Dusche sind nur Kopf und Schulter zu sehen. Erotische oder amourรถse Episoden lassen sich in den Comics generell nicht finden.
Frauen in „Pic et Briquet“, Abb. 1: Mystรจre dans la mine, Abb. 2-4: Pic et Briquet agents secrets ยฉ Centre Historique Minier de Lewarde, Arch 13337-133351
Frauen werden allgemein stereotyp in traditionellen sozialen und beruflichen Rollen als Mรผtter oder Krankenschwestern und mit klischeehaften Verhaltensmustern dargestellt. Dies entspricht der eher konservativen Darstellung der Rolle von Frauen in der Mehrzahl der franco-belgischen Comics der Zeit,[xcvi] auch wenn in den 1960er durchaus neue Darstellungen aufkamen und emanzipierte Comic-Heldinnen das Licht der Welt erblickten.[xcvii] Der Grundton von โPic et Briquetโ ist paternalistisch, die Frauen werden oft wenig respektvoll behandelt, wobei dies wie im Fall der Bienlein-Figur z.T. auch fรผr bestimmte mรคnnlich Charakteren gilt. Darauf, dass die Autoren dieses Verhalten als das typisch Gebaren eines bergmรคnnischen Milieus mit seinen spezifischen rauen und gesellschaftlich unangepassten Verhaltensweisen prรคsentieren wollen, gibt es keinen Hinweis, lรคsst sich ein รคhnliches Verhalten doch auch bei anderen Figuren feststellen.
Mehr als die Arbeit der Bergleute oder berufsspezifische Qualitรคten steht in โMystรจre de la mineโ die Gemeinschaft der Bergleute im Vordergrund, auch wenn die Bergmรคnner um Pic und Briquet weitestgehend eine anonyme Gruppe bleiben. Abgesehen von einer Szene zu Beginn der Geschichte, in der sich die beiden Helden mit einem Kollegen unterhalten,[xcviii] wird auch ihre soziale Integration in diese Gemeinschaft allenfalls schemenhaft angedeutet. Dies gilt auch fรผr den privaten Bereich. Wรคhrend die verschwundenen Bergleute als Familienmenschen dargestellt werden,[xcix] bleibt der familiรคre Hintergrund Pics und Briquets im Dunklen.

Aus Sicht Diana Cooper-Richets zeichnet der Comic das friedliche Bild einer Zeche mit zufriedenen, motivierten und lebenslustigen Bergleuten, auf der es keine sozialen Konflikte gibt. Sie weist auf die von den Autoren hervorgehobene Solidaritรคt der Bergleute gegenรผber ihren Kollegen und ihrem beruflichen Umfeld hin und spricht in dem Zusammenhang von einer โรkumeneโ der Bergleute, die der Comic als Idee transportiere.[c]
Diese Analyse trifft weitestgehend zu. Dieser Eindruck einer funktionierenden Gemeinschaft der Bergleute wird in โMystรจre dans la mineโ auf unterschiedliche Weise hervorgerufen. Die Basis ihres Zusammenhalts, etwa ein Berufsethos, wird dabei allerdings nie explizit benannt. Er รคuรert sich vielmehr implizit in den Handlungen oder auch Zielen der Akteure.
So wird das Verschwinden der Kollegen als ein in der Gemeinschaft der Bergleute und sogar darรผber hinaus bestimmendes Gesprรคchsthema dargestellt. In einer Szene erscheinen die Anwesenden in einem von Bergleuten besuchten Lokal durch ihre gemeinsame Betroffenheit geeint.[ci] Neben dem Eindruck einer Solidargemeinschaft, der so evoziert wird, tritt so das Bild einer durch Kommunikation verbundenen Gemeinschaft, die sich รผber die Belange der Zeche und der Belegschaft austauscht. In einem Plot, der sich aus dramaturgischen Grรผnden verstรคndlicherweise nicht um den Arbeitsalltag des Bergmanns, sondern die konstruierte Ausnahmesituation einer Verbrecherjagd untertage dreht, sind diese kleinen Szenen umso aufschlussreicher.


Als solidarische und v.a. handlungsfรคhige Gruppe treten die Bergleute auch im Zusammenhang mit der Befreiung der gefangenen Bergleute und dem Kampf gegen ihre Gegenspieler in Erscheinung. Durch einen Hilferuf des bedrรคngten Briquet alarmiert,[cii] rebellieren die gefangenen Bergleute, รผberwรคltigen die bewaffneten Gegner und befreien Pic und Briquet schlieรlich aus deren Fรคngen.[ciii] Die Bergleute zeichnen sich hier nicht nur durch ihre Kameradschaft untereinander, ihr zupackendes Vorgehen, ihre Initiative und ihre Furchtlosigkeit aus, sondern auch durch eine gewisse Gewaltbereitschaft und physische Durchsetzungsfรคhigkeit. Die anschlieรende Flucht vor der tickenden Zeitbombe durch Stollen und Aufgรคnge, die auch die Ganoven einschlieรt, verlรคuft diszipliniert und effizient.[civ] Von ihren Kollegen, die zu der Stelle der Explosion eilen und in einem Stollen auf die Geretteten treffen, werden sie freudig als โcopainsโ, Kumpel oder Kameraden, begrรผรt und herzlich umarmt.[cv]

Die Bergleute erwecken nicht nur den Eindruck einer solidarischen, sondern auch einer selbstbestimmten und egalitรคren Gemeinschaft. Pic und Briquet heben sich als Protagonisten zwar ab und haben zu guter Letzt auch durch die Anerkennung ihrer Kollegen eine Sonderstellung, nehmen im Laufe der Geschichte selbst aber keine besondere soziale Position als Fรผhrungsfiguren oder Autoritรคten ein. Dies wird auch im Band โPic et Briquet ร la Napouleโ deutlich. Den Aufenthalt in der nur รผber eine begrenzte Zahl an Plรคtzen verfรผgenden Ferienunterkunft der HBNPC erhalten die Beiden nicht aufgrund ihrer Verdienste im vorherigen Abenteuer, sondern weil Briquet gemรคร dem รผblichen Verfahren ausgewรคhlt worden ist.[cvi] Von einem Mitreisenden darauf angesprochen, welches Glรผck sie doch gehabt hรคtten, beide nach Napoule zu dรผrfen, betont Pic, dass Briquet ausgelost worden sei und er ihn begleiten dรผrfe, da โ so Briquet โ beide doch so unzertrennlich seien.[cvii] Es liegt also allenfalls im Fall Pics eine Sonderbehandlung vor, die durch seine Freundschaft zu Briquet gerechtfertigt wird.
Ein Aspekt, der dieses Bild und auch Diana Cooper-Richets These von einer harmonischen Bergmannsgemeinschaft stรถrt ist die Tatsache, dass die Ganoven offenbar ebenfalls aus dem Umfeld der Zeche stammen. Einige von ihnen sind Pic und Briquet namentlich bekannt und fahren in Bergmannskluft ein. Ihr Anfรผhrer Lepoil wird als Chef der Chemiewerke identifiziert, wobei die fehlende Erlรคuterung suggeriert, dass es sich entweder um eine lokal bekannte Persรถnlichkeit handelt oder aber um den Chef der zecheneigenen Chemiewerke und somit im weiteren Sinne einen Zechenangehรถrigen. Die Entscheidung der Autoren beim Entwurf der Gegenspieler der Helden keinen Gegensatz zwischen Bergfremden und Bergleuten zu konstruieren, also gewissermaรen die Geschichte eines โInside-Jobโ zu zeichnen, ist zumindest auffรคllig. In Bergbaufilmen diente gerade die Abgrenzung der Bergleute von anderen Berufsgruppen der Stรคrkung der berufs- und branchenspezifischen Gruppenidentitรคt, was eine integrierende Wirkung entfalten und den Gruppenkonsens fรถrdern sollte.[cviii] Letztlich bleibt dies fรผr das Narrativ und die Charakterisierung der Bergleute aber ohne Belang, da die schwarzen Schafe eindeutig nicht Teil der Gemeinschaft sind, auch wenn sie durch die gemeinsame Flucht vor der Bombe am Ende ein Stรผck weit reintegriert werden.
Hierarchien und Autoritรคt
Was beim Blick auf die Gemeinschaft der Bergleute und die Zeche insgesamt weiter auffรคllt, ist das vรถllige Fehlen von Rangunterschieden und Machtstrukturen. Einige Bergbau-Comics rรผcken das Verhรคltnis zwischen Bergleuten und Zecheneigentรผmern, das i.d.R. als eine konfliktbeladene, von gegensรคtzlichen Interessen bestimmte Beziehung dargestellt wird, durchaus in den Vordergrund.[cix] In โMystรจre dans la mineโ spielt dieser Aspekt wiederum keine Rolle. Auch die HBNPC werden an keiner Stelle namentlich genannt. Durchaus thematisiert wird hingegen die in Bergbau-Comics im Zusammenhang mit innerbetrieblichen Konflikten oft zentrale Frage der Arbeitssicherheit, allerdings weniger als Streitpunkt zwischen Arbeitgebern und Bergleuten. Vielmehr lรคsst sich ein gewisser Fokus auf untertage verwendete Warnhinweise und -signale feststellen. รber die daraus ableitbare Andeutung einer regelbasierten Ordnung hinaus lรคsst sich allgemein aber keine durch Vorgesetzte implementierte Ordnung greifen. Auch in der obligatorischen Abschlussszene, in der die Rettung und Befreiung der Bergleute gefeiert wird โ eine klassische Situation fรผr die Bekrรคftigung einer solchen Ordnung โ, tritt keine Autoritรคtsfigur in Erscheinung. Statusunterschiede innerhalb der Gruppe der Bergleute, wie sie gerade zu dieser Zeit in der realen Welt noch prรคgend waren,[cx] werden ebenso wenig sichtbar.
Eine Ausnahme zu diesem Befund ist die Bande um den Oberschurken Lepoil, der seine eigenen Leute herumkommandiert und auch Zwang auf die entfรผhrten Bergleute ausรผbt. Der Kontrast zwischen dieser Bandenhierarchie einerseits und der Solidaritรคt unter den Kumpels andererseits ist evident.
Anders als Rangordnungen unter den Bergleuten und Besitzverhรคltnisse lรคsst sich in โMystรจre dans la mineโ allerdings der Aspekt der staatlichen Autoritรคt greifen. Dies betrifft die Rolle der Polizei in der Angelegenheit der verschwundenen Bergleute.

Die Polizisten werden als hart durchgreifend, fast schon autoritรคr, aber auch inkompetent dargestellt. So lรคsst sich der Polizeichef durch eine von den Widersachern der Helden fingierte Spur dazu verleiten, den unschuldigen Pic als Verdรคchtigen zu verhaften.[cxi] Pic bricht schlieรlich aus der Haft aus, wobei hier die gewaltsame Art seines Vorgehens ins Auge fรคllt. So hat er keine Bedenken, einen der Polizisten in seine Zelle zu locken, mit einem Knรผppel niederzuschlagen und den bewusstlosen Mann zu fesseln, was auf eine gewisse Respektlosigkeit gegenรผber der Staatsgewalt schlieรen lรคsst.

Als die Beamten gegen Ende der Geschichte den Hinweis auf die geheime Fabrik erhalten und diese mit einem massiven bewaffneten Aufgebot stรผrmen wollen, kommen sie zu spรคt.[cxii] An der Befreiung der Bergleute und deren Rettung vor der Bombe haben sie trotz ihres martialischen Einsatzes keinerlei Anteil und wirken eher etwas lรคcherlich. Sie dringen nicht einmal bis in die Untertageanlagen vor, sondern mรผssen sich nach der Explosion unrรผhmlich vor den Staub- oder Rauchwolken zurรผckziehen. Eine Aussรถhnungsszene zwischen Pic und der Polizei, sei es eine Entschuldigung fรผr die vorangegangene Verdรคchtigung Pics oder eine Belobigung der Helden fรผr ihren Einsatz, erfolgt nicht.


Die von der Bande Lepoils gestรถrte Ordnung wird nicht durch staatliche Krรคfte oder die Fรผhrungskrรคfte des Zechenbetriebs wiederhergestellt, sondern durch die Solidaritรคt, den Zusammenhalt und die reibungslose Kooperation der Bergleute untereinander sowie die Initiative der beiden Protagonisten. Die Untertagewelt erscheint so als die Domรคne der einfachen Bergleute.
Angesichts dieses Befundes kรถnnte man den Autoren eine gewisse antiautoritรคre Tendenz unterstellen, was angesichts der Verรถffentlichung des Comics in den offiziellen Werkszeitungen der HBNPC รผberraschte. Praktische Probleme und realweltliche Konflikte des bergbaulichen Arbeitsalltags werden in dem Comic allerdings nicht thematisiert, eine progressive Sicht der Autoren auf Hierarchien oder auf die Bergleute als mรผndige Arbeitnehmer mit bestimmten Interessen โ etwa in Bezug auf Arbeitssicherheit โ wird nicht sichtbar.
Die Darstellung der Bergleute als einer autarken Gemeinschaft, die Krisen untertage aus eigener Kraft trotzt und fรผreinander einsteht, kann auch als eine diskursive Bestรคrkung der Eigenverantwortung der Bergleute untertage gelesen werden, ein Rollenverstรคndnis, das die Zechenleitungen ein Stรผck weit aus ihrer Verantwortung fรผr deren Sicherheit und Schutz entlรคsst.

Was die ablehnende Haltung gegenรผber staatlicher Autoritรคt angeht, wird dieses Bild in den beiden anderen Abenteuern zudem ein Stรผck weit relativiert. In โPic et Briquet ร la Napouleโ hinkt die Polizei dem Geschehen zwar ebenfalls hinterher, trรคgt zu guter Letzt aber doch entscheidend zur Festnahme der Verbrecher bei.[cxiii] In โPic et Briquet agents secretsโ sind die beiden Helden zunรคchst zwar nicht bereit, dem franzรถsischen Geheimdienst unter die Arme zu greifen, zeigen im Zuge des sich entwickelnden Geschehens dann aber doch volle Einsatzbereitschaft.[cxiv]
Fazit
Der Comic โPic et Briquetโ ist nicht nur aufgrund des beruflichen Hintergrunds der Protagonisten eine Besonderheit. V.a. auch die sehr spezifische Leserschaft, die durch die Publikation in den Zechenzeitungen erreicht wurde, hebt ihn von anderen Comics ab. Inhaltlich ist insbesondere die in einer modernen Mine und im Bergarbeitermilieu verortete Geschichte โMystรจre dans la mineโ ungewรถhnlich.
Die Zeche und die Welt untertage fungieren dabei allerdings als Kulisse fรผr eine eher konventionelle Handlung, deren Konflikte sich weniger an realweltlichen Reibungspunkten im Zechenalltag als an den Plots von Filmen mit einem Oberschurken als Gegenspieler orientieren. Auch narrativ bedienen sich die Autoren stellenweise filmischer Elemente.
Die Ablรคufe der Zeche als Arbeits- und Produktionsort spielen keinerlei Rolle. Anders als zum Beispiel die in der Reihe โMosaikโ erschienenen Comics von Johannes Hegenbarth vermittelt โPic et Briquetโ so kein systematisches Wissen รผber den Bergbau oder die Arbeit des Bergmanns.[cxv] Interessant ist allerdings die Aufwertung, die die Kohle als Rohstoff hier erfรคhrt, wird ihr fiktiv doch das Potenzial als Grundlage fรผr eine Art Superenergietrรคger zugesprochen.

รhnlich kulissenhaft bleibt รผber die rein nominelle Zuordnung hinaus auch der berufliche Hintergrund Pics und Briquets. In ihren Qualitรคten und Eigenschaften heben sie sich kaum von anderen Comic-Helden ab. Die Autoren zeichnen ein eher traditionelles Mรคnnerbild, geben sich von รuรerlichkeiten abgesehen aber kaum Mรผhe, den beiden Protagonisten bergmรคnnische Charakteristika zuzuweisen. Weder findet sich eine Identifikation mit der Arbeit, noch milieuspezifische Eigenheiten, wie sie sich z.B. bei Hergรฉs Kapitรคn Haddock in dessen maritim geprรคgtem Sprachgebrauch oder auch seiner nautischen Expertise finden. Mรถglicherweise ist dies auf das Publikum des Comics zurรผckzufรผhren, das mit einem allzu karikatur- und klischeehaften Bild seines Berufsstands nicht viel anzufangen gewusst hรคtte.
Eine milieuhafte Darstellung wird in โmystรฉre dans la mineโ v.a. im Zusammenhalt der Bergleute untereinander sichtbar. Sie werden als eine unabhรคngige, solidarische und funktionierende Gemeinschaft dargestellt, die in einem Moment der Krise zusammensteht und untertage fรผr Ordnung sorgt. Es entsteht so das Bild eines harmonischen Miteinanders im Kosmos der Zeche, das allerdings unvollstรคndig bleibt. Fรผhrungspersonal, Rangunterschiede, Hierarchien und betriebliche Machtverhรคltnisse werden so komplett ausgeblendet.
Diana Cooper-Richet interpretiert den Comic als Ausdruck der Innovationsbereitschaft der HBNPC und ihres Bestreben, sich gegenรผber der Mitarbeiterschaft von einem paternalistischen Habitus zu lรถsen.[cxvi] Die Darstellung der Bergleute als eine autarke und starke Gemeinschaft entsprach sicher dem Selbstverstรคndnis der Bergleute. Wie bereits angedeutet, ist die Betonung der Eigenstรคndigkeit der Bergleute aber potenziell durchaus ambivalent. Auch wรคre es verfehlt, den Verzicht auf jede Darstellung von Hierarchie und Machtstrukturen als ein subversives Moment zu interpretieren. Eine Stรคrkung der Gruppenidentitรคt der Bergleute und des Gefรผhls, zu einer besonderen Gemeinschaft zu gehรถren, dรผrfte durchaus eine integrierende Wirkung im Sinne der HBNPC gehabt haben. Allerdings sollte man die Wirkkraft und auch die Intentionen des Comics dahingehend allgemein nicht รผberbewerten.
Politische Absichten kรถnnen dem Comic sicher nicht unterstellt werden. Auf brisantere Themen der realen Welt wie soziale oder รถkonomische Schwierigkeiten der Bergleute, innerbetriebliche Konflikte und Missstรคnde oder die Lage der franzรถsischen Kohleindustrie insgesamt wird nicht einmal andeutungsweise Bezug genommen. Die Thematisierung von Gefahren am Arbeitsplatz ist eher verharmlosend, mehr ein narratives Element als eine Form der kritischen Auseinandersetzung mit den Arbeitsbedingungen untertage.
Auch eine Interpretation des Comics als Mittel der Einflussnahme auf Kinder und Jugendliche als potenziellen kรผnftigen Rekrutierungspool fรผr Bergleute wรคre sicher verfehlt. Die Jugend im Nordwesten Frankreichs, darunter auch die Kinder von Bergleuten, waren bereits seit den 1950er Jahren wenig gewillt, den gefรคhrlichen Beruf des Bergmanns zu ergreifen, was die Zechen dazu bewog, Rekrutierungskampagnen im Ausland, insbesondere Marokko, durchzufรผhren.[cxvii]

Im Fall von โPic et Briquet ร la Napouleโ kรถnnte den Autoren unterstellt werden, dass sie durch die Wahl des Schauplatzes und die idyllische, sehr wirklichkeitsnahe Darstellung der รrtlichkeiten, insbesondere des „Chรขteau des mineurs“, im Sinne der HBNPC darauf abzielten,[cxviii] den Staatskonzern als einen guten Arbeitgeber erscheinen zu lassen, der seine Angestellten durch die Ermรถglichung solcher Aufenthalte privilegierte.[cxix]
Fuรnoten
[i] Fernand Nodin: Jeanneney: une rรฉvolution culturelle, in: 50 ans de charbonnages de France. Le charbon: une histoire d’hommes, Sonderausgabe der Zeitschrift Historia, Paris 1996, S. 30-37, hier: S. 30.
[ii] Kohle deckte 1946 ca. 80% des franzรถsischen Energiebedarfs. Vgl. Nodin: Jeanneney, S. 32.
[iii] Vgl. Virginie Debrabant, Les trois รขges de la mine: De l’apogรฉe au dรฉclin, Bd. 3 : 1914-1990, hrsg. von La Voix du Nord / Centre historique minier de Lewarde, Lille 2007, S. 40f.
[iv] Centre Historique Minier de Lewarde: Coulisses dโune rรฉedition, Begleitheft zum Band Mystรจres de la mine, Lewarde 1998, S. 3.
[v] Josรฉ-Louis Bocquet: La bande dessinรฉe belgo-franรงaise. Un aperรงu historique, in: Thierry Bellefroid (Hrsg.): Lโรขge dโor de la bande dessinรฉe belge. La collection du Musรฉe des Beaux-Arts de Liรจge, Brรผssel 2015, S. 11-22, hier: S. 16, 19.
[vi] Anlรคsslich der Neuherausgabe des ersten Abenteuers, โMystรจre dans la mineโ, widmete das Centre Minier de Lewarde โPic et Briquetโ eine kleine Ausstellung und erlรคuterte in einem Beiheft zum Band seine Entstehungsgeschichte. Centre Historique Minier de Lewarde: Coulisses dโune rรฉedition, Lewarde 1998. In der Ausstellung waren neben Originalzeichnungen auch Exemplare von Werkszeitungen und Schilder mit Sicherheitshinweisen von Zechen zu sehen. Vgl. https://www.chm-lewarde.com/fr/ressources-et-collections/location-dexpositions/art-et-mine/ [Zugriff: 24.11.2022]. Hier findet sich auch ein Link zu einem Dokument mit dem Ausstellungsplan.

[vii] Ein im Rahmen der Tagung โBergbaukulturen in interdisziplinรคrer Perspektive โ Diskurse und Imaginationenโ entstandener Beitrag von Sylvia Kesper-Biermann von 2018 geht anhand einer kleinen Stichprobe aus dem amerikanischen und europรคischen Raum z.B. der Frage nach, wie Bergbau in Comics dargestellt wird und welche narrative Funktion als unterirdische Arbeits- und Gegenwelt er dort erfรผllt. Kesper-Biermann erwรคhnt an einer Stelle auch die vom Centre Minier de Lewarde herausgegebenen Comics von โPic und Briquetโ ohne sie jedoch in die von ihr untersuchte Stichprobe aufzunehmen. Vgl. Sylvia Kesper-Biermann. โUnearthing a buried pastโ. Bergbau im Comic, in: Dagmar Kift/Eckhard Schinkel/Stefan Berger/Hanneliese Palm (Hrsg.): Bergbaukulturen in interdisziplinรคrer Perspektive. Diskurse und Imaginationen, S. 151-164, hier: S. 153.
2022 veranstaltete das Fritz Hรผser Institut in Dortmund in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft fรผr Comicforschung eine Tagung zu Arbeits- und Klassenverhรคltnissen im Comic, bei der genreรผbergreifend von Zwangsarbeit รผber Klassenfragen bis hin zu Gastarbeitern ganz unterschiedliche Aspekte diskutiert wurden, wobei das Thema Bergbau allerdings nicht explizit zur Sprache kam.
[viii] In einer Ausstellung in der Ludwigsgalerie Schloss Oberhausen wurde 2018 der begrenzte aber vielfรคltige Niederschlag von Kohle und Bergbau in deutschen Comics und Cartoons beleuchtet. Ausstellung: โGlรผck auf! Comics und Cartoons von Kumpel Anton รผber Jamiri bis Walter Moersโ, 02.05.2018 – 09.09.2018, LUDWIGGALERIE Schloss Oberhausen. Publikation: Vogt, Christine/Berenbrock, Otto: Glรผck auf! Comics und Cartoons von Kumpel Anton รผber Jamiri bis Walter Moers: Katalog zur Ausstellung in der Kunstgalerie Schloss Oberhausen, hrsg. von Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, Kรถln 2018.
[ix] Vgl. Stefan Moitra: Mitbestimmung im Bild? Zur visuellen Kommunikation der industriellen Beziehungen im westdeutschen Bergbau, 1945-1969, in: Knud Andresen/Michaela Kuhnhenne/Jรผrgen Mittag/Stefan Mรผller (Hrsg.): Reprรคsentationen der Arbeit. Bilder โ Erzรคhlungen โ Darstellungen, Bonn 2018, S. 233-252, hier: S. 233.
[x] Die Analyse des Abenteuers โMystรจre dans la mineโ bezieht sich auf dessen รผberarbeitete Form, wie sie in der Werkszeitung RELAIS erschien (siehe unten). Die Seitenangaben beziehen sich auf die kolorierte Neuausgabe in Albumform des Centre Historique Minier. Bei den beiden anderen Geschichten verweisen die Angaben dagegen auf die Paginierung der Erstverรถffentlichung. [Seiten/Panelangaben รผberprรผfen bei Pic et Briquet ร la Napoule und bei Bedarf Pendant raussuchen].
[xi] Centre Historique Minier de Lewarde: Coulisses dโune rรฉedition, Begleitheft zum Band Mystรจres de la mine, Lewarde 1998, S. 2.
[xii] Ebd.
[xiii] Ebd.
[xiv] Die Comics hatten aus drucktechnischen Grรผnden stets einen Umfang von 46 oder auch 62 Seiten. Julia Abel/Christian Klein (Hrsg.): Comics und Graphic Novels. Eine Einfรผhrung, Stuttgart 2016, S. 17.
[xv] Bei den zu Beginn der Verรถffentlichung bestehenden neun Werkszeitungen handelte es sich um die Titel โTout venantโ, โLumiรจres sur la mineโ, โBruits de fondโ, โLa lampe au chapeauโ, โCoups de Pic – Coups de Plumesโ, โDouai Minesโ, โDouai Minimesโ, โNotre mines/Nuit et Joursโ und โรquettesโ. Von diesen neun Werkszeitungen wurden sechs im Zuge von Zechenfusionen spรคter auf drei Zeitungen reduziert, die die unterbrochene Comicserie aus den Vorgรคngerpublikationen dann nahtlos fortsetzten. Die Zeitschriften ยซ Tout Venant ยป und ยซ Lumiรจres dans la mine ยป wurden 1968 zu ยซ Tout Venant/Lumiรจres sur la mine ยป zusammengelegt, ยซ Bruits de fond ยป und ยซ Lampe au chapeau ยป wurden 1961 zu ยซ Bruits et Lumiรจres ยป, die Titel ยซ Notre mine/Nuit et Jour ยป – selbst Ergebnis einer Fusion von 1953 – und ยซ รquettes ยป 1967 in der Zeitschrift ยซ Notre mine/Nuit et Jour/รquettes ยป vereint. Die Ausgaben der Werkszeitungen der HBNPC sind u.a. im Archiv des Centre Historique Minier in Lewarde einzusehen. Centre Historique Minier, Arch 13337 โ Arch 13351.
[xvi] Abel/Klein: Comics, S. 45.
[xvii] Hergรฉ sah Comic-Alben als die dauerhaftere Form der Publikation an. Josรฉ-Louis Bocquet: La bande dessinรฉe belgo-franรงaise. Un aperรงu historique, in: Thierry Bellefroid (Hrsg.): Lโรขge dโor de la bande dessinรฉe belge. La collection du Musรฉe des Beaux-Arts de Liรจge, Brรผssel 2015, S. 11-22, hier: S. 12.
[xviii] Marie-Christine Lipani Vaissade, ยซ La rรฉvolte des personnages fรฉminins de la bande dessinรฉe francophone. Cartographie d’une รฉmancipation de fraรฎche date ยป, in: Le Temps des mรฉdias, Nouveau Monde รฉditions 12, (2009), S. 152-162, hier: S. 157.
[xix] Abel/Klein: Comics, S. 17.
[xx] Jean Podevin/Jean-Piere Rousselot: Mystรจre dans la mine: les aventures de Pic et Briquet (Collection Mรฉmoires de Gaillette 4), hrsg. von Centre historique minier, Lewarde, Neuauflage, Lewarde 1998, 46 Seiten.
Jean Podevin/Jean-Piere Rousselot: Pic et Briquet ร la Napoule: les aventures de Pic et Briquet (Collection Mรฉmoires de Gaillette 6), hrsg. von Centre historique minier, Lewarde, Neuauflage, Lewarde 2000, 46 Seiten. In Farbe gefasst wurden diese Comics von der Koloristin Nadine Voillat. Die dritte Geschichte, โPic et Briquet agents secretsโ, ist vom Centre Minier in Lewarde aus rechtlichen Grรผnden bisher noch nicht herausgegeben worden.
[xxi] Coulisses dโune rรฉedition, S. 2.
[xxii] Abel/Klein: Comics, S. 44.
[xxiii] Coulisses dโune rรฉedition, S. 3.
[xxiv] Ebd.
[xxv] Mystรจre dans la mine, S. 43f; als Pendant siehe z.B. die Wรผstenszene, in der Haddock Tim im Wahn fรผr eine Champagnerflasche hรคlt. Tim und Struppi, Die Krabbe mit den goldenen Scheren, S. 29f.
[xxvi] Pic et Briquet ร la Napoule, S. 3, 19f, 23, 27f, 44f, 46; Pic et Briquet agents secrets, S. 2, 8.
[xxvii] Pic et Briquet ร la Napoule, S. 20.
[xxviii] Zur ligne claire vgl. Abel/Klein: Comics, S. 81, 83, 199.
[xxix] Coulisses dโune rรฉedition, S. 6.
[xxx] Abel/Klein: Comics, S. 83, 199.
[xxxi] Dies gilt eingeschrรคnkt fรผr โPic et Briquet ร la Napouleโ. Hier setzen die farbigen Details erst im Verlauf der Publikation ab Seite 13 ein. Vgl. Vgl. Pic et Briquet ร la Napoule, Originalfassung, S. 12f.
[xxxii] Vereinzelt wurde bereits in โPic et Briquet ร la Napouleโ mit einer Vollkolorierung experimentiert. Vgl. Pic et Briquet ร la Napoule, Originalfassung, S. 25. Die Farbgebung der Neufassung des Centre Minier de Lewarde wurde in der Analyse mit einer Ausnahme nicht berรผcksichtigt, da sie nachtrรคglich vorgenommen wurde und in den historischen Publikationskontexten noch nicht gegeben waren.
[xxxiii] https://fresques.ina.fr/memoires-de-mines/fiche-media/Mineur00004/reedition-de-la-bd-pic-et-briquet.html [Zugriff: 29.11.2022].
[xxxiv] Am Ende von โMystรจre dans la mineโ bekunden die Helden ihre Absicht, an die Cรดte dโAzur zu fahren, und โPic et Briquet agents secretsโ setzt in Anknรผpfung an โPic et Briquet ร la Napouleโ ebendort ein.
[xxxv] Hierin weichen sie von anderen Comics mit Bergbaubezug ab, die mehrheitlich in der Vergangenheit spielen und populรคre Vorstellungswelten bedienen oder an historischen Bergbau erinnern. Kesper-Biermann: Bergbau, S. 164.
[xxxvi] Vgl. Agents secrets, S. 39-44.
[xxxvii] Der an einer Stelle auftauchende Ortsname โVasy-les-Minesโ ist ein Wortwitz der Autoren, in dem die Aufforderung โVas-y!โ, also soviel wie โNur zu!โ/โLeg los!โ/โMach hin!โ mit der verbreiteten Ortsnamenendung โ..-les-minesโ verbunden wird und der auf die Dringlichkeit des Appells Pics an die Polizei, sich schnellstens an den Ort des Geschehens untertage zu begeben, anspielt.
[xxxviii] Mystรจre dans la mine, S. 2/Panel 12, S. 4/Panel 1.
[xxxix] Mystรจre dans la mine, S. 27.
[xl] Die Zeche von Pic und Briquet wird als โfosse 24โ bezeichnet. Eine Zeche dieses Namens gab es z.B. in Estevelles im Pas-de-Calais. Diese war Teil der Compagnie des mines de Courriรจres. Vgl. La mรฉtamorphose de la Fosse 24 – Estevelles – Site officiel de la commune (Zugriff : 20.01.2023). Ein direkter Bezug scheint aber unwahrscheinlich. Die Nummerierung von Gruben war in Frankreich รผblich und die Bezeichnung kam mรถglicherweise รถfter vor. Die Auรenansichten der Zeche im Comic sind zu allgemein, als dass sie mit einem realen Vorbild in Beziehung gesetzt werden kรถnnten. Vgl. Mystรจre dans la mine, S. 2/Panel 7, S. 45/Panel 4, S. 46/Panel 1-3.
[xli] รbersetzung: โDas sind schon tolle Typen!โ โ โUnd dazu noch welche aus der Gegend!โ; Mystรจre dans la mine, S. 46/Panel 6.
[xlii] Vgl. Mystรจre dans la mine, S. 45 ; Pic et Briquet ร la Napoule, S. 45.
[xliii] Vgl. Mystรจre dans la mine, S. 46 ; Pic et Briquet ร la Napoule, S. 45.
[xliv] Pic et Briquet ร la Napoule, S. 3/Panel 7; S. 4/Panel 1; รbersetzung: โMan kรถnnte noch meinen, man sei Brigitte Bardot.โ
[xlv] Pic et Briquet ร la Napoule, S. 1, 45.
[xlvi] Pic et Briquet agents secrets, S. 46.
[xlvii] Pic et Briquet ร la Napoule, S. 4, 13.
[xlviii] Pic et Briquet agents secrets, S. 3.
[xlix] Kesper-Biermann: Bergbau, S. 151. Neben den dort behandelten Titeln sind beispielhaft auch Westerncomics wie โLeutnant Blueberryโ von Jean Giraud und Jean-Michel Charlier zu nennen, in denen verlassene Goldminen gelegentlich eine Rolle spielen.
[l] Kesper-Biermann: Bergbau, S. 154.
[li] Solche Elemente und Motive sind z.B. dunkle Gรคnge, hรถlzerne Stรผtzpfeiler, Spitzhacken und andere Werkzeuge sowie Grubenlampen und -fahrzeuge. Vgl. Kesper-Biermann: Bergbau, S. 154.
[lii] Kesper-Biermann: Bergbau, S. 156.
[liii] Kesper-Biermann: Bergbau, S. 159.
[liv] Kesper-Biermann: Bergbau, S. 157.
[lv] Vgl. Kesper-Biermann: Bergbau, S. 153.
[lvi] Diana Cooper-Richet: Rรฉรฉdition de la BD Pic et Briquet, Mรฉmoires de mines – Rรฉรฉdition de la BD Pic et Briquet (ina.fr) [Zugriff: 24.11.2022].
[lvii] Coulisses dโune rรฉedition, S. 5.
[lviii] Ebd.
[lix] Ebd., S. 4.
[lx] Mystรจre dans la mine, S. 27.
[lxi] Mystรจre dans la mine, S. 21.
[lxii] Vgl. Olge Dommer: Mehr als richtige Kerle. Zu Darstellungen der Bergarbeit in der bildlichen Kunst, in: Dagmar Kift/Eckhard Schinkel/Stefan Berger/Hanneliese Palm (Hrsg.): Bergbaukulturen in interdisziplinรคrer Perspektive. Diskurse und Imaginationen, S. 58-77, hier: S. 74; Stefan Przigoda: Grenzziehungen. Bergbau-Darstellungen im Industriefilm, in: ebd., S. 79-89, hier: S. 85.
[lxiii] Mystรจre dans la mine, S. 2.
[lxiv] Vgl. Coulisses dโune rรฉedition, S. 5 ; Zur Thematisierung dieses Aspekts in der Ausstellung des Centre Historique Minier in Lewarde siehe: https://www.chm-lewarde.com/fr/ressources-et-collections/location-dexpositions/art-et-mine/ [Zugriff: 24.11.2022].
[lxv] Vgl. Mystรจre dans la mine, S. 10, 17, 22.
[lxvi] Mystรจre dans la mine, S. 10. Zu der Szene mit der Lok sagt Podevin, dass er untertage selbst รคhnliche Gefahrensituationen erlebt habe. Coulisses dโune rรฉedition, S. 5.
[lxvii] Mystรจre dans la mine, S. 38.
[lxviii] Mystรจre dans la mine, S. 44.
[lxix] In dieser Zeit kam es wiederholt zu Gas- oder Kohlenstaubexplosionen mit z.T. hohen Opferzahlen: 1958 in Blanzy (29 Tote) und Forbach (11 Tote), 1959 in Merlebach (26 Tote), 1965 bei Lens (21 Tote) und in Carmaux (12 Tote), 1967 in Saint-Florent-sur-Auzonnet (5 Tote) und 1968 in Roche-la-Moliรจre (6 Tote). Grubengas stellte v.a. bis zur Entwicklung eines entsprechenden Messgerรคts im Jahr 1965 ein bedeutendes Risiko im franzรถsischen Bergbau dar und bestand auch danach noch fort. Im Pas-de-Calais ereigneten sich 1965 (Avion bei Lens), 1970 (Fouquiรจres-lรจs-Lens) und 1974 (Liรฉvin) schwere Grubenexplosionen mit insgesamt 79 Toten, wobei jenes in Liรฉvin mit 42 Toten das schwerste Grubenunglรผck der Nachkriegszeit in Frankreich war. Vgl. 50 ans de charbonnages de France. Le charbon: une histoire d’hommes. Sonderausgabe der Zeitschrift Historia, Paris 1996, S. 83, 85.
[lxx] Vgl. Bert Hogenkamp: A Mining Film without a Disaster is like a Western without a Shoot-out: Representations of Coal Mining Communities in Feature Films, in: Andy Croll/Stefan Berger (Hrsg.): Towards a Comparative History of Coalfield Societies, London 2005, S. 86-98. Auch in Comics mit Bergbaubezug ist dies ein Motiv. Vgl. Laurent Galandon/Cyril Bonin: Wer Wind sรคt, Hadamar 2010, S. 54.
[lxxi] Vgl. Mystรจre dans la mine, S. 39ff. Das Schicksal Lepoils bleibt in diesem Zusammenhang allerdings offen. Vgl. ebd., S. 38.
[lxxii] Kesper-Biermann: Bergbau, S. 153.
[lxxiii] Vgl. Mystรจre dans la mine, S. 37-42.
[lxxiv] Mystรจre dans la mine, S. 34.
[lxxv] Vgl. Debrabant, trois รขges, Bd. 3, S. 25.
[lxxvi] Debrabant, trois รขges, Bd. 3, S. 27.
[lxxvii] Vgl. Mystรจre dans la mine, S. 3, 8.
[lxxviii] Mystรจre dans la mine, S. 19f.
[lxxix] Mystรจre dans la mine, S. 34.
[lxxx] Vgl. Nodin: Jeanneney, S. 33; Debrabant: Les trois รขges, S. 40.
[lxxxi] In der kolorierten Fassung des Centre Historique Minier ist diese Arbeitskleidung blau.
[lxxxii] Zu sehen etwa auf einem Photo aus Paris Match von 1956, das 2019 in der Foto Ausstellung โA lโรฉpreuve du fond, la mine vue par Paris Matchโ des Centre Historique Minier in Lewarde zu sehen war. Vgl. https://actu.fr/hauts-de-france/lewarde_59345/expo-photo-mine-vue-par-paris-match-centre-historique-minier-lewarde_24846121.html [Zugriff: 25.01.2023]. Die Wahl der Farbe Rot fรผr das Halstuch war zweifellos eine bewusste Entscheidung der Koloristin Nadine Voillat. Pic hebt sich darรผber hinaus farblich ab, als seine Kleidung aus einer roten Hose und einer braunen Jacke besteht, wohingegen Briquet stets in seiner graublauen Arbeitskluft gezeigt wird.
[lxxxiii] Vgl. Mystรจre dans la mine, S. 8.
[lxxxiv] Diana Cooper-Richet: Rรฉรฉdition.
[lxxxv] Vgl. Hierzu auch Diana Cooper-Richet: Rรฉรฉdition.
[lxxxvi] Pic et Briquet ร la Napoule, S. 44/Panel 9.
[lxxxvii] Pic et Briquet ร la Napoule, S. 31f.
[lxxxviii] Pic et Briquet ร la Napoule, S. 32.
[lxxxix] In deutschen Industriefilmen aus dem Bereich des Bergbaus wird die gute Orientierungsfรคhigkeit des Bergmanns in dem komplexen, aber systematischen und durchdachten System der Untertageanlagen oft herausgestellt, eine Eigenschaft durch die er sich dort gerade auch von der Gruppe der Nicht-Bergleute abhebt. Vgl. Przigoda: Grenzziehungen, S. 87.
[xc] Mystรจre dans la mine, S. 2, 7, 10, 24.
[xci] In diesem Moment erfรผllt die Unterwelt in โMystรจre dans la mineโ mรถglicherweise ihre von Kesper-Biermann fรผr Comics beobachtete Funktion eines potentiell gefรคhrlichen Raumes, an dem sich die jeweiligen Helden besonders eindrucksvoll bewรคhren kรถnnen. Kesper-Biermann: Bergbau, S. 156.
[xcii] Vgl. hierzu Dommer: Mehr als richtige Kerle, S. 74.
[xciii] Eine Frauenfigur mit einer echten Rolle im Narrativ tritt nur in โPic et Briquet ร la Napouleโ in Erscheinung. Eine Krankenschwester in dem oben erwรคhnten Sanatorium, in dem Pic und Briquet festgehalten werden, schlรคgt sich auf die Seite der Helden, berichtet von den kriminellen Machenschaften ihres Chefs und gibt der Polizei den entscheidenden Hinweis auf die flรผchtigen Gauner. Trotz eines umfassenderen Dialoganteils bleibt die Figur namenlos. Auch wenn ihr Handeln moralisch motiviert zu sein scheint, bleibt sie doch nur eine anonyme Unterstรผtzerin der mรคnnlichen Protagonisten.Vgl. Pic et Briquet ร la Napoule, S. 30f, 36-41.
[xciv] Dieselbe Frauenfigur taucht in โPic et Briquet ร la Napouleโ erneut als Patientin eines Sanatoriums auf, was sie zu einer Art running gag macht. Pic et Briquet ร la Napoule, S. 36.
[xcv] Pics et Briquet agents secrets, S. 6
[xcvi] Lipani Vaissade, rรฉvolte, S. 157. Eine ganz รคhnliche Rollenverteilung lรคsst sich รผbrigens auch fรผr die Rolle der Frauen in deutschen Industriefilmen aus dem Bergbau feststellen. Vgl. Przigoda: Grenzziehungen, S. 86.
[xcvii] Lipani Vaissade, rรฉvolte, S. 158.
[xcviii] Mystรจre dans la mine, S. 2.
[xcix] Dies zeigt sich z.B., wenn die besorgte Familie eines der entfรผhrten Bergleute vor ihrem Haus und am Tisch um eine Nachricht des Verschwundenen gezeigt wird oder einer der Mรคnner nach der Befreiung von seinen erfreuten Kindern umarmt wird. Vgl. Mystรจre dans la mine, S. 2, 46.
[c] Vgl. Diana Cooper-Richet: Rรฉรฉdition. Die Autorin sieht hier Parallelen zu den rein textbasierten Geschichten um den von Jules Mousseron erfundenen Bergmann Cafougnette vom Ende des 19. Jahrhunderts. Dieser Figur haben die Autoren Frรฉdรฉrick Maslanka und Rรฉmy Mabesoone in den Imbroglio Editions รผbrigens eine eigene Comic-Reihe gewidmet.
[ci] Mystรจre dans la mine, S. 8.
[cii] Mystรจre dans la mine, S. 31, Panel 1.
[ciii] Mystรจre dans la mine, S. 33f.
[civ] Mystรจre dans la mine, S. 39f.
[cv] Mystรจre dans la mine, S. 42.
[cvi] 500 Bergleute konnten in dem als โChรขteau des mineurs“ bezeichneten Domizil zeitgleich ihren Urlaub verbringen. Die Zeit dort blieb vielen ehemaligen Bergleuten in guter Erinnerung. Vgl. https://fresques.ina.fr/memoires-de-mines/fiche-media/Mineur00004/reedition-de-la-bd-pic-et-briquet.html [Zugriff: 29.11.2022].
[cvii] Vgl. Pic et Briquet ร la Napoule, S. 1
[cviii] Przigoda: Grenzziehungen, S. 88.
[cix] Kesper-Biermann: Bergbau, S. 161
[cx] Dies gilt zumindest fรผr den deutschen Raum. Hier ist in Bezug auf die bis weit ins 20. Jahrhundert bestehenden autoritรคren betrieblichen Strukturen von einem herrschenden โGrubenmilitarismusโ die Rede. Vgl. hierzu Przigoda: Grenzziehungen, S. 88.
[cxi] Mystรจre dans la mine, S. 11f.
[cxii] Mystรจre dans la mine, S. 41f.
[cxiii] Pic et Briquet ร la Napoule, S. 41ff.
[cxiv] Pic et Briquet agents secrets, S. 3f.
[cxv] Es handelt sich um die zwischen 1960 und 1961 in der DDR erschienenen Mosaik-Hefte 48-50 mit den Titeln โDer Silberschatz in der Bรคrenhรถhleโ, โSilbergrube โLetzte Hoffnungโโ und โDas letzte Festโ. Johannes Hegenbarth nimmt sich die Darstellungen aus โDe re metallicaโ (1556) von Georgius Agricola zum Vorbild. Vgl. Kesper-Biermann: Bergbau, S. 160.
[cxvi] Diana Cooper-Richet: Rรฉรฉdition.
[cxvii] Debrabant: trois รขges, Bd. 3, S. 42.
[cxviii] Vgl. Z.B. Pic et Briquet ร la Napoule, S. 4, 45
[cxix] Jean-Pierre Rousselot und Jean Podevin reisten in Vorbereitung der Geschichte sogar an den Schauplatz des Comics an der Cรดte dโAzur, um Eindrรผcke zu sammeln. Coulisses dโune rรฉedition, S. 4.





























